Die Große Dünnwalder KG von 1927 e. V. „Fidele Jonge“ feiert 2027 ihr 100-jähriges Bestehen. Beim Museumsfest am 10. Oktober 2026 rund um das Hoppeditz-Hüsje in Köln-Dünnwald gab es schon einmal einen Vorgeschmack auf das Jubiläumsjahr. Und neben reichlich Sonnenschein, Musik und guter Stimmung gab es auch im ältesten Karnevalsmuseum Kölns jede Menge zu entdecken.

Der Dünnwalder Mauspfad wird zum Straßenfest
Nachdem es die Tage zuvor immer wieder geregnet hatte, zeigte sich Dünnwald am Samstag von seiner schönsten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein wurde rund um das Hoppeditz-Hüsje gefeiert.
Wo sonst Autos unterwegs sind, standen nun Tische und Bänke, es wurde geredet, gelacht und natürlich auch das ein oder andere Kölsch getrunken. Fürs leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt.

Auch musikalisch wurde einiges geboten. Mit dabei waren unter anderem Filue, die Domstürmer und die Blos mer jet un Bums Kapell, die für ordentlich Stimmung sorgten.

Auch die Klüngelköpp waren mit von der Partie – und hatten sogar Geschenke dabei.
Ein kleines Hüsje mit ziemlich viel Geschichte
Im Mittelpunkt des Festes stand natürlich das Hoppeditz-Hüsje. Das typische Kölner Drei-Fenster-Haus beherbergt seit über 20 Jahren das Museum der Fidelen Jonge. Seit seiner Eröffnung im November 2002 ist es das älteste Karnevalsmuseum Kölns. Das Museum erstreckt sich zwar „nur“ über zwei Etagen und bietet dafür erstaunlich viel Geschichte.

Mit Tim Przystaw und dem ehemaligen Pressesprecher Ulf Stecher hatte ich gleich zwei ausgesprochen kundige Begleiter. Was für ein Glück! Die beiden lotsten mich mit viel Wissen und Witz durch das Hüsje und hatten zu beinahe jedem Ausstellungsstück eine Geschichte parat. Und davon gibt es hier wirklich reichlich.
Von der Blauen Partei bis zu alten Karnevalsorden
Los geht es im Erdgeschoss, in der sogenannten „Schatzkammer“. Hier haben die Fidelen Jonge über die Jahrzehnte eine beachtliche Sammlung zusammengetragen.

Neben historischen Uniformen, Orden und Erinnerungsstücken aus der eigenen Vereinsgeschichte gibt es auch zahlreiche Exponate aus dem gesamten Kölner Karneval zu sehen. Dazu gehört beispielsweise das Originalkostüm von Toni Geller, der als Redner der „Blauen Partei“ bekannt wurde.

Auch der Frack von Karl Berbuer aus dem Jahr 1956, Originalnoten von Willi Ostermann und die erste Schallplatte der Paveier gehören zu den besonderen Stücken der Sammlung.

Eine Treppe für kleine Füße
Wer die obere Etage erkunden möchte, muss zunächst eine ziemlich schmale Altbautreppe hinauf. Eine dieser Treppen, bei denen man sich fragt, ob die Menschen früher einfach kleinere Füße hatten.

Dass man hier besser ein bisschen aufpasst, zeigt eine Anekdote, die Ulf und Tim natürlich ebenfalls zum Besten gaben: Einmal soll jemand mitsamt einem kleinen Bierfässchen die Treppe heruntergepurzelt sein.
Oben angekommen gibt es weitere liebevoll ausgestellte Exponate zu entdecken. Darunter historische Präsidentenketten, zahlreiche Karnevalsorden und Erinnerungsstücke, die man in einem Museum vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.


Gesammelt werden übrigens nicht nur die Orden der Fidelen Jonge, sondern auch die anderer Karnevalsgesellschaften. Und weil der Platz im Hoppeditz-Hüsje nun einmal begrenzt ist, werden hin und wieder auch Orden verkauft. Der Erlös kommt allerdings nicht einfach der Vereinskasse zugute, sondern wird an gemeinnützige Organisationen gespendet. So schafft man wieder Platz für neue Stücke und tut gleichzeitig noch etwas Gutes.

Ein Kamellebüggel aus Pappmaché
Besonders interessant fand ich einen alten Kamellebüggel aus den 1950er-Jahren, der aus Pappmaché besteht. Ein Material, das man heute wohl kaum noch für einen Behälter verwenden würde, mit dem man im Karneval unterwegs ist. Dass dieses Stück die vergangenen rund 70 Jahre überstanden hat, ist schon bemerkenswert.

Aber auch die unscheinbareren Gegenstände haben es in sich. Zum Beispiel zwei Kaffeetassen, hinter denen eine besonders schöne Geschichte steckt.
Wie zwei Kaffeetassen zu Museumsstücken wurden
Die beiden Tassen stammen von Wicky Junggeburth und Bruno Eichel. Wie sie ins Hoppeditz-Hüsje gekommen sind, ist eine dieser Geschichten, die man sich eigentlich nicht ausdenken kann.

Beim Kölner Rosenmontagszug wird schließlich nicht nur kommentiert, wer gerade vorbeizieht. Die Moderatoren erzählen auch kleine Anekdoten über die Gesellschaften, ihre Kostüme und die Menschen dahinter. Nur hatten die Fidelen Jonge eines Jahres offenbar vergessen, die entsprechenden Informationen einzureichen. Die beiden Moderatoren wussten also nicht so recht, was sie über die Gesellschaft erzählen sollten. Also wurde kurzerhand improvisiert. Wicky Junggeburth und Bruno Eichel behaupteten einfach, die Fidelen Jonge hätten ein Auge auf ihre Kaffeetassen geworfen und wollten diese unbedingt haben. Und was macht eine Karnevalsgesellschaft, wenn so etwas beim Rosenmontagszug erzählt wird? Sie fragt natürlich nach den Tassen. Und tatsächlich: Die beiden Moderatoren überließen den Fidelen Jonge ihre Kaffeetassen.
Die Klüngelköpp bringen Nachschub
Dass das Museum keineswegs nur von vergangenen Zeiten erzählt, zeigte sich auch beim Museumsfest selbst. Denn die Sammlung wächst immer weiter. Anlässlich des Festes und des bevorstehenden Jubiläums brachten auch die Klüngelköpp neue Erinnerungsstücke mit. Gleich zwei signierte Kappen, Hosenträger und Drumsticks fanden ihren Weg ins Hoppeditz-Hüsje. Damit haben nun auch die Klüngelköpp ihren Platz zwischen den vielen kleinen und großen Geschichten des Kölner Karnevals. Und natürlich finden sich im Museum auch Erinnerungen an die Bläck Fööss und andere Größen des kölschen Fastelovends.

Ohne die Fidelen Jonge kein Dünnwalder Veedelszoch
So viel Geschichte die Gesellschaft auch bewahrt: Die Fidelen Jonge sind keineswegs nur mit der Vergangenheit beschäftigt.
Wie wichtig sie für den Karneval in Dünnwald sind, zeigt sich besonders beim Dünnwalder Veedelszoch. Denn den organisieren die Fidelen Jonge komplett in Eigenregie. Was für die Jecken am Straßenrand nach einem schönen Karnevalszug aussieht, bedeutet hinter den Kulissen jede Menge Arbeit. Von der Planung über die Organisation bis hin zu Sicherheitskonzepten und den vielen notwendigen Abstimmungen liegt die Verantwortung bei der Gesellschaft. Das ist eine Aufgabe, die man als zuschauende Person kaum wahrnimmt. Dabei ist genau diese Arbeit entscheidend. Ohne die Fidelen Jonge gäbe es den Dünnwalder Veedelszoch in dieser Form nicht. Und das macht noch einmal deutlich, welchen Stellenwert die Gesellschaft für das Veedel hat.
Auch die nächste Generation soll mitfeiern
Natürlich geht auch an den Dünnwaldern ein Problem nicht vorbei, das viele traditionelle Karnevalsgesellschaften kennen: Der Nachwuchs kommt nicht immer von allein. Auch hier beschäftigt man sich deshalb damit, wie sich jüngere Menschen für den Karneval und das Vereinsleben begeistern lassen. Mit Kinderveranstaltungen und eigenen Angeboten für die jüngsten Jecken versucht die Gesellschaft, den Fastelovend auch für die nächste Generation attraktiv zu machen. Dazu gehören unter anderem Kindersitzungen und Kinderkostümfeste. Gerade im Jubiläumsjahr stehen wieder Veranstaltungen für den Nachwuchs auf dem Programm. Sogar die legendäre „Jung un Jeck“-Party feiert ihr Comeback. Taschengeldfreundlich und doch mit den ganz großen Namen des Karnevals.

Und noch ein Revival wartet.
Zum 100. Geburtstag zurück auf die Theaterbühne
Die Gesellschaft ging ursprünglich aus einer Theatergruppe hervor und kehrt im Jubiläumsjahr zu ihren Ursprüngen zurück. Passend zum 100-jährigen Bestehen wurde deshalb „In der Hölle der Sahara“ mit neuen Ideen wieder auf die Bühne gebracht. Die ursprünglichen Texte sind nicht erhalten geblieben, weshalb kurzerhand ein neues Stück mit dem geschrieben wurde. Wer sich das Ganze anschauen möchte, hat vom 14. bis 16. Mai 2027 in der Volksbühne am Rudolfplatz Gelegenheit dazu. Und wer vorher schon ein bisschen mehr darüber erfahren möchte, findet bei uns auch einen eigenen Beitrag zur Aufführung.

Bildnachweis: Alle Bilder ©Sarah Gawlik






